skulptur 1 – sediment interaktive panoramische projektion
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Die Idee zu Skulptur 1 - Sediment entstand unter dem Eindruck alter Tempelreliefs aus Thailand und Kambodscha. Die abgebildeten Gottheiten, Tänzerinnen, sagenhaften Tiere und Figuren der Geschichte haben mich nachhaltig beschäftigt und bewegt. Ein Relief lebensgroßer Figuren auf der langgezogenen Leinwand eines Panoramas zu zeigen, lag für mich deshalb sehr nah.

In der Arbeit an KÀ habe ich virtuelles Licht zum ersten Mal eingesetzt. In einer Szene projiziere ich eine Steinlandschaft auf die Bühne. Die Bühne bewegt sich und der Stein wird gemäß einer virtuellen Lichtquelle beleuchtet. Fast zehn Jahre später habe ich nun den entgegengesetzten Weg gewählt. Der Betrachter trägt eine Fackel mit virtuellem Licht. Die Bewegungen dieser Fackel tauchen ein virtuelles Relief von Steinfiguren in Licht und Schatten. Durch die Bewegung des Lichts wird die Körperlichkeit der Figuren erfahrbar.

Ich habe versucht, mit dem zu arbeiten, was man nicht sieht. Der Betrachter entscheidet, worauf das eng begrenzte Licht der Fackel fällt und was im Dunkeln bleibt. Zum einen leuchtet die Fackel nur einen kleinen Teil der Figuren und ihrer Beziehungen zueinander aus. Man sieht also nie das gesamte Bild. Zum anderen offenbart das Licht der Fackel den Blick des Betrachters, der nicht mehr unbehelligt auf einem Gegenstand ruhen kann. Andere Personen im Raum sehen, wohin das Licht fällt und welchen Weg es nimmt. Durch das, was ausgespart wird, sieht man auch, was verdeckt bleiben soll.

Die Posen der Figuren entstanden in zwei getrennten Sitzungen mit einem männlichen und einem weiblichen Aktmodell. Beide wurden durch eine 3D-Kamera in verschiedenen Momentaufnahmen festgehalten. Die meisten Körperhaltungen ergaben sich aus gemeinsamen Improvisationen zu vorher stichwortartig niedergeschriebenen Gefühlen und Handlungen und aus der Antizipation eines Partners oder Gegenübers, den es zu dem Zeitpunkt noch nicht gab. Erst durch die nachfolgende Collage der skulpturalen Aufnahmen entstand die letztendliche Beziehung der Figuren untereinander und miteinander.

Die Entstehung der Collage selbst war mehr ein intuitives Erforschen möglicher Wechselwirkungen der Figuren mit ihrer Umgebung als die Umsetzung eines zielgerichteten Konzepts. Tier- und Fabelwesen der Projektion sind dem magischen Denken geschuldet. Es ging mir dabei nicht um eine Darstellung religiöser Inhalte sondern um die Möglichkeit der Verwandlung des Körpers. Die Tieraufnahmen entstanden im Naturkundemuseum Karlsruhe. Der Stein des Hintergrunds ist synthetisch aus fraktalem Rauschen erzeugt. In diese Steinwand wurden Erhebungen und Vertiefungen eingearbeitet um die Figuren zu tragen oder ihnen Raum zu geben.

Die Arbeit erhielt sehr spät ihren Namen. Der Begriff Sediment bezeichnet ursprünglich eine bestimmte Form von Gestein, die aus Erosion und nachträglicher Verfestigung entsteht. Der Begriff steht hier aber auch für bruchstückhafte unbewusste Bilder, die sich im Laufe der Jahre im Unterbewusstsein anlagern und verfestigen können, für die Zusammensetzung eines Gesamtbildes aus bruchstückhaften Einzelteilen.

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